Bereits drei Mal habe ich den Film Another Year von Mike Leigh gesehen. Ich mag den Film, ich mag die Charaktere, die in dem Film vorgestellt und entwickelt werden, ich mag die Langsamkeit, in der er erzählt wird, ich mag die Beziehung zur Natur.
Aber schon beim ersten Schauen hatte ich, trotz meiner grossen Sympathie für die Charaktere, ein ungutes Gefühl. Wieso können sich Gerri und Tom, die ein sorgenfreies Leben führen und eine erfüllte, liebevolle Beziehung haben, über andere Menschen urteilen und sich ständig im Recht fühlen? Und darf Familie wirklich in diesem Extrem über Freundschaften stehen? Oder ist die Beziehung zwischen Gerri und Mary überhaupt eine Freundschaft? Und wenn nicht, darf Gerri dann so tun als ob, da sie Mary anscheinend garnicht braucht?
Gleichzeitig sass ich voller Bewunderung und Sehnsucht und Verständnis vor dem Leben von Gerri und Tom: Vertrauen, auch nach vielen Jahren Ehe, Humor, gemeinsame und geteilte Leidenschaft, vor allem der Garten, die Natur, der Kreislauf der Jahreszeiten, die ehrliche Arbeit am und im Boden, und die Ernte, die Früchte dieser Arbeit.Gemeinsam kochen und essen, Tee trinken, den Tag beschliessen, lesen, erzählen.
Ich teile viel von diesem Leben in Partnerschaft und Liebe. Ich habe das grosse Glück, in einer glücklichen Beziehung zu leben. Aber ich habe keine Ahnung von der Selbstverständlichkeit, andere Menschen abzuurteilen. Diese Eigenschaft ist mir fast zuwider. Ein Derzeit grosses Thema, da meine Mutter diese Eigenschaft auch hat.
Trotzdem sind mir die Charaktere von Gerri und Tom nicht zuwider. Was ist hier los?
Bei der Lektüre von Wilhelm Schmid Mit sich selbst befreundet sein bin ich auf meine Antwort gestossen.
Tom, aber vor allem Gerri, verkörpern für mich Teile meines "festen inneren Kerns". Das heisst, ich muss sie nicht als Personen begreifen, sondern sie abstrahieren für mich bestimmte Eigenschaften in Strukturen zum Zwecke einer Selbstdefinition.
Zu diesem Zweck müssen die Figuren nicht ausgeglichen und feherbehaftet sein. Nein - sie dürfen in diesem Sinne unnachgiebig sein. Es geht um die innersten Werte, nicht um eine realistische Darstellung eines menschlichen Lebens mit Makeln und Irrtümern. Gerri und Tom leben ihre Werte, und darin finde ich auch einen Ausschnitt der meinen wieder, und im verfolgen dieser Werte sind diese Eckpunkte (m)einer Selbstdefinition unnachgiebig.
Liebe, Familie, Kinder, Vertrauen, Humor, Genuss, Natur, Natürlichkeit, Freude, Freundschaft, Mitgefühl, Arbeit, Hilfe für den Anderen, Heimat, Gelassenheit.
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Freitag, 29. Mai 2015
Montag, 25. Mai 2015
Dumb Little Man: 4 Truths About Worry
“I’ve had a lot of worries in my life, most of which never happened.”
Mark Twain
Auf Dumb Little Man erschien am 20. Mai ein Artikel über vier Wahrheiten bezüglich der eigenen Sorge, was andere über uns denken, was unsere Entscheidungen beeinflusst und was wir dagegen tun können.
4 Truths About Worry treffen einige meiner derzeitigen Sorgen, meiner verstörten Selbstwahrnehmung, meiner Zurückgenommenheit. Nochmal lesen!
Mark Twain
Auf Dumb Little Man erschien am 20. Mai ein Artikel über vier Wahrheiten bezüglich der eigenen Sorge, was andere über uns denken, was unsere Entscheidungen beeinflusst und was wir dagegen tun können.
4 Truths About Worry treffen einige meiner derzeitigen Sorgen, meiner verstörten Selbstwahrnehmung, meiner Zurückgenommenheit. Nochmal lesen!
Mittwoch, 20. Mai 2015
Der Wendepunkt
Endlich war der Moment gekommen. Dank meiner Freundinnen B und M, zufällige Bekenntnisse, Gespräche, Ratschläge, konnte ich endlich den Entschluss fassen, Hilfe zu suchen. Diese Suche war noch einmal beschwerlich, aber im dritten Anlauf kam ich an. Eine Familientherapeutin, die mich schon nach der ersten Sitzung an einen eigenen Psychologen überwies. Nun bin ich in Therapie, und ich nehme Medikamente.
Hier anzukommen, hatte ich nie zu hoffen gewagt. Dass mir jemand sagt: Sie dürfen nicht so leiden. Sie haben eine Erschöpfungsdepression. Dass mir jemand sagt: Sie haben eine leichte bis mittelschwere Depression, Medikamente können Ihnen helfen.
Die Erleichterung, mich nicht mehr verstecken zu müssen, nicht mehr so tun müssen als ob es mir gut ginge.
In meinen schlimmen Phasen habe ich mich als ewig depressive, als Verlierer-Mutter, als Leidende, als einen Menschen, der alles verpasst hat, gesehen. Nun habe ich Hilfe. Und die Chance, dass sich mein Leiden, das Leiden so vieler langer Jahre, bessert.
Ein grosses Thema: meine Eltern.
Ein grosses Thema: meine schwierigen Gefühle, und der Herr "Reiss-Dich-Zusammen", der mir noch obenrein verbietet, schwierige Gefühle zu haben
Ein grosses Thema: meine alte grosse Liebe zu S
Ein grosses Thema: meine Kinder, die Wutausbrüche, das Schreien
Ein grosses Thema: mein geringes Selbstwertgefühl
Hier anzukommen, hatte ich nie zu hoffen gewagt. Dass mir jemand sagt: Sie dürfen nicht so leiden. Sie haben eine Erschöpfungsdepression. Dass mir jemand sagt: Sie haben eine leichte bis mittelschwere Depression, Medikamente können Ihnen helfen.
Die Erleichterung, mich nicht mehr verstecken zu müssen, nicht mehr so tun müssen als ob es mir gut ginge.
In meinen schlimmen Phasen habe ich mich als ewig depressive, als Verlierer-Mutter, als Leidende, als einen Menschen, der alles verpasst hat, gesehen. Nun habe ich Hilfe. Und die Chance, dass sich mein Leiden, das Leiden so vieler langer Jahre, bessert.
Ein grosses Thema: meine Eltern.
Ein grosses Thema: meine schwierigen Gefühle, und der Herr "Reiss-Dich-Zusammen", der mir noch obenrein verbietet, schwierige Gefühle zu haben
Ein grosses Thema: meine alte grosse Liebe zu S
Ein grosses Thema: meine Kinder, die Wutausbrüche, das Schreien
Ein grosses Thema: mein geringes Selbstwertgefühl
Donnerstag, 6. November 2014
I had a black dog, his name was depression
Matthew Johnstone hat eine Kurzfilm über Depression gezeichnet.
Er nennt seine Depression als einen schwarzen Hund. Dieser besucht ihn zu Zu Anfang besucht ihn der schwarze Hund ab und zu, als er älter wird, begleitet der Hund jeden Moment seines Lebens, bis Matthew professionelle Hilfe sucht. Ein Bild, das es Menschen, die ein Gefühl der Depression nicht kennen, vielleicht ermöglicht, Verständnis für depressive Menschen aufzubringen.
Er nennt seine Depression als einen schwarzen Hund. Dieser besucht ihn zu Zu Anfang besucht ihn der schwarze Hund ab und zu, als er älter wird, begleitet der Hund jeden Moment seines Lebens, bis Matthew professionelle Hilfe sucht. Ein Bild, das es Menschen, die ein Gefühl der Depression nicht kennen, vielleicht ermöglicht, Verständnis für depressive Menschen aufzubringen.
Montag, 3. November 2014
Forty portraits in forty years
Aus dem New York Times Magazine
"Nicholas Nixon was visiting his wife’s
family when, “on a whim,” he said, he asked her and her three sisters if
he could take their picture. It was summer 1975, and a black-and-white
photograph of four young women — elbows casually attenuated, in summer
shirts and pants, standing pale and luminous against a velvety
background of trees and lawn — was the result.
![]() |
| (c) Nicholas Nixon. 1975, New Canaan, Conn. |
A year later, at the
graduation of one of the sisters, while readying a shot of them, he
suggested they line up in the same order. After he saw the image, he
asked them if they might do it every year. “They seemed O.K. with it,”
he said; thus began a project that has spanned almost his whole career.
The series, which has been shown around the world over the past four
decades, will be on view at the Museum of Modern Art, coinciding with
the museum’s publication of the book “The Brown Sisters: Forty Years” in
November.
Who are these sisters? We’re never told
(though we know their names: from left, Heather, Mimi, Bebe and Laurie;
Bebe, of the penetrating gaze, is Nixon’s wife). The human impulse is to
look for clues, but soon we dispense with our anthropological scrutiny —
Irish? Yankee, quite likely, with their decidedly glamour-neutral
attitudes — and our curiosity becomes piqued instead by their undaunted
stares. All four sisters almost always look directly at the camera, as
if to make contact, even if their gazes are guarded or restrained."
![]() |
| (c) Nicholas Nixon. 1981, Cincinnati |
![]() |
| (c) Nicholas Nixon. 1999, Brookline, Mass. |
![]() |
| (c) Nicholas Nixon. 2014, Wellfleet, Mass. |
Die Seite des New York Times Magazines zeigt alle Bilder der 40 Jahre.
Was empfinde ich, wenn ich diese Photographien betrachte?
Ich bewundere die Schönheit der Jugend, die kühlen Blicke, die Sicherheit der jungen Frauen, im Leben zu erreichen, was sie erreichen wollen. Es ist in diesen jungen Jahren eher ein Nebeneinander, als ein Miteinander. Frisuren und Kleidung ändern sich, und auf einmal auch ein Blick. Eine Weichheit, ein leichtes Lächeln. Und auf einmal erste Falten. Müdigkeit. Wann ist das passiert? Innerhalb eines Jahres? Oder lassen sich erste Zeichen doch vorher schon erahnen? Im Rückblick? Irgendwann schaut man den Frauen ins Gesicht und Beginnt Biographien zu erahnen, Schmerz, Enttäuschungen, Erfolge, Mühen, Trauer, Zufriedenheit, Schwangerschaften, Kinder. Gelebtes Leben. Unmerklich werden aus diesen starken, hoffnungsvollen, jungen Frauen: reife Frauen. Sie sind milder. Versöhnter. Einander zugewandt. Sich Halt gebend. Erfüllt.
Mittwoch, 21. Mai 2014
Das verletzte Kind. Grosse Schwester - kleiner Bruder.
Ich setze mich in diesen Monaten ein weiteres Mal intensiv mit Eltern-Kind-Beziehungen auseinander. Erst einige Monate nach der Geburt von meinem Grossen habe ich begonnen, in Frage zu stellen, wovon ich felsenfest überzeugt war, und was auch meine eigene Kindheit auszeichnete: Eltern sind eine Autorität, Kinder gehorchen, Kinder schlafen im eigenen Bett, Eltern wissen was richtig für ihre Kinder ist, Eltern strafen scheinbares Fehlverhalten, Eltern müssen Konsequenz zeigen, Kinder müssen erzogen werden.
Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass Kinder nicht erzogen werden müssen. Kinder benötigen die Begleitung ihrer Eltern. Kinder benötigen Vorbilder. Kinder brauchen Eltern, die gleichwürdig und kooperativ mit ihnen umgehen.
Dies verdanke ich zahlreichen Autoren, Psychologen, Soziologen, Ärzten und natürlich Müttern. Jesper Juul, Jean Liedloff, Carlos Gonzalez, Kurt und Karin Kloeters, Adele Faber, Elaine Mazlish, sowie allen Müttern und Vätern von rabeneltern.org.
Gerade heute habe ich Siblings without Rivalry von Faber und Mazlish zu Ende gelesen. Mir liefen die Tränen. Und nicht, weil ich als Mutter mein Versagen und meinen Frust verspürt habe. Nein. Das Kind in mir, die grosse Schwester, der ungelenke, unsichere Teenager in mir, das Mädchen, das immer gefallen wollte, und nie "cool" war: es waren die Tränen dieses Kindes, die heute geflossen sind.
Dass die Beziehung zu meinem "kleinen" Bruder nicht so herzlich ist, wie sie sein könnte, ist mir schon länger aufgefallen. Zwischenzeitlich, vielleicht zwischen meinem zwanzigsten und dreissigsten Lebensjahr, dachte ich, unsere Beziehung wäre positiv und liebevoll.
Als wir Kinder waren, haben wir uns viel gestritten. Und ich habe mich oft durch meinen kleinen Bruder verletzt gefühlt. Als wir Teenager waren, fühlte ich mich immer unterlegen. Er hatte die lustigeren Freunde, machte die spannenderen Sachen, war cooler, war besser gekleidet, war mehr auf Konfrontationskurs mit unseren Eltern, war unabhängiger, interessierter, engagierter.
Heute frage ich mich, ob ich überhaupt je aus der Rolle der verkrampften grossen Schwester herausgefunden habe. Ich habe mich bei dem Gedanken ertappt, dass er sogar der bessere, coolere Vater werden wird, einer, der seine Kinder früher bekommt und daher dynamischer und energievoller sein kann als ich. Inzwischen ist das nicht mehr möglich, denn er ist nun älter, als ich es zum Zeitpunkt der Geburt meines Grossen war. Aber ich erinnere mich beschämt an das Gefühl der Erleichterung, als er mein damaliges Alter (kinderlos) überschritten hatte.
Nun ertappe ich mich bei dem neuen Gedanken, dass er ja vielleicht nie Kinder wollte, und mich "uncool" und spiessig findet, weil ich zu Hause sitze, mit zwei kleinen Kindern, und sonst nichts mache.
Alles wenig schmeichelhaft für mich. Gedanken, derer ich mich schäme.
Aber heute Nachmittag, nach dem Lesen des Buches von Faber und Mazlish, frage ich mich, ob diese Schamgefühle allein meine Schuld sind. Oder ob meine Befangenheit, meine Niedergeschlagenheit nicht auch andere Gründe haben: in der Beziehung zu meinem Bruder. Und zu meinen Eltern.
Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass Kinder nicht erzogen werden müssen. Kinder benötigen die Begleitung ihrer Eltern. Kinder benötigen Vorbilder. Kinder brauchen Eltern, die gleichwürdig und kooperativ mit ihnen umgehen.
Dies verdanke ich zahlreichen Autoren, Psychologen, Soziologen, Ärzten und natürlich Müttern. Jesper Juul, Jean Liedloff, Carlos Gonzalez, Kurt und Karin Kloeters, Adele Faber, Elaine Mazlish, sowie allen Müttern und Vätern von rabeneltern.org.
Gerade heute habe ich Siblings without Rivalry von Faber und Mazlish zu Ende gelesen. Mir liefen die Tränen. Und nicht, weil ich als Mutter mein Versagen und meinen Frust verspürt habe. Nein. Das Kind in mir, die grosse Schwester, der ungelenke, unsichere Teenager in mir, das Mädchen, das immer gefallen wollte, und nie "cool" war: es waren die Tränen dieses Kindes, die heute geflossen sind.
Dass die Beziehung zu meinem "kleinen" Bruder nicht so herzlich ist, wie sie sein könnte, ist mir schon länger aufgefallen. Zwischenzeitlich, vielleicht zwischen meinem zwanzigsten und dreissigsten Lebensjahr, dachte ich, unsere Beziehung wäre positiv und liebevoll.
Als wir Kinder waren, haben wir uns viel gestritten. Und ich habe mich oft durch meinen kleinen Bruder verletzt gefühlt. Als wir Teenager waren, fühlte ich mich immer unterlegen. Er hatte die lustigeren Freunde, machte die spannenderen Sachen, war cooler, war besser gekleidet, war mehr auf Konfrontationskurs mit unseren Eltern, war unabhängiger, interessierter, engagierter.
Heute frage ich mich, ob ich überhaupt je aus der Rolle der verkrampften grossen Schwester herausgefunden habe. Ich habe mich bei dem Gedanken ertappt, dass er sogar der bessere, coolere Vater werden wird, einer, der seine Kinder früher bekommt und daher dynamischer und energievoller sein kann als ich. Inzwischen ist das nicht mehr möglich, denn er ist nun älter, als ich es zum Zeitpunkt der Geburt meines Grossen war. Aber ich erinnere mich beschämt an das Gefühl der Erleichterung, als er mein damaliges Alter (kinderlos) überschritten hatte.
Nun ertappe ich mich bei dem neuen Gedanken, dass er ja vielleicht nie Kinder wollte, und mich "uncool" und spiessig findet, weil ich zu Hause sitze, mit zwei kleinen Kindern, und sonst nichts mache.
Alles wenig schmeichelhaft für mich. Gedanken, derer ich mich schäme.
Aber heute Nachmittag, nach dem Lesen des Buches von Faber und Mazlish, frage ich mich, ob diese Schamgefühle allein meine Schuld sind. Oder ob meine Befangenheit, meine Niedergeschlagenheit nicht auch andere Gründe haben: in der Beziehung zu meinem Bruder. Und zu meinen Eltern.
Donnerstag, 15. Mai 2014
Siblings Without Rivalry: Dedication
Siblings Without Rivalry
by Adele Faber and Elaine Mazlish
is dedicated:
To all the grown up siblings who still
by Adele Faber and Elaine Mazlish
is dedicated:
To all the grown up siblings who still
have a hurt child inside them.
Donnerstag, 14. November 2013
Donnerstag, 29. August 2013
Wolfgang Herrndorf
Der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf hat sich im Alter von 48 Jahren selbst getötet.
Sein Blog Arbeit und Struktur beeindruckt mich zutiefst.
![]() |
| Wolfgang Herrndorf (c) Zeit.de |
Sein Blog Arbeit und Struktur beeindruckt mich zutiefst.
Donnerstag, 23. Mai 2013
Roxy Music - If there is something
Vor wenigen Tagen sah ich im Fernsehen den Film Flashbacks of a Fool aus dem Jahr 2008. Der Film erzählt die Kindheits- und Jugenderinnerungen eines Filmstars, der nicht nur mit seiner Karriere, sondern auch seinem Lebensentwurf scheitert, und führt den Zuschauer bis zu dem entscheidenden Moment seiner Jugend, der sein Leben auf tragische Weise verändern sollte.
Eindrückliche Bilder, eine langsame Erzählweise und wunderbarer Soundtrack.
Eine Perle daraus: Roxy Music - If there is something
Im Soundtrack ist die Studioaufnahme zu hören, ich aber kenne diese Liveaufnahme besser, die grossartig ist.
Welche Erinnerungen - 1991, Autofahrten nach Heidelberg im Opel, durch die Nacht, die Erwartungen und Sehnsüchte für SM, die Kassette von SP aufgenommen. If there is something fast wie in Trance gehört, um mich Dunkelheit, nur die Lichter der Autos, hinter mir liegt eine Arbeitswoche, manchmal sogar zwei, und vor mir liegen kostbare Stunden mit ihm, Vita Nova.
Welche Erinnerungen - 1991, Autofahrten nach Heidelberg im Opel, durch die Nacht, die Erwartungen und Sehnsüchte für SM, die Kassette von SP aufgenommen. If there is something fast wie in Trance gehört, um mich Dunkelheit, nur die Lichter der Autos, hinter mir liegt eine Arbeitswoche, manchmal sogar zwei, und vor mir liegen kostbare Stunden mit ihm, Vita Nova.
Konstantinos Kavafis - Kerzen
Kerzen
Die Tage der Zukunft stehen vor uns
Wie eine Reihe angezündeter Kerzen -
Goldene, warme, lebendige Kerzen.
Die Tage der Vergangenheit bleiben hinter uns,
Eine traurige Reihe abgebrannter Kerzen,
Die letzten rauchen noch,
Kalte Kerzen, geschmolzen und krumm.
Ich will sie nicht sehen; ihr Anblick grämt mich,
Es schmerzt mich, an ihr erstes Licht zu denken.
Ich schaue nach vorn auf meine brennenden Kerzen.
Ich will mich nicht umwenden, um mit Entsetzen zu sehen,
Wie rasch die dunkle Reihe sich verlängert,
Wie rasch die erloschenen Kerzen sich mehren.
Konstantinos Kavafis (1863-1933)
Die Tage der Zukunft stehen vor uns
Wie eine Reihe angezündeter Kerzen -
Goldene, warme, lebendige Kerzen.
Die Tage der Vergangenheit bleiben hinter uns,
Eine traurige Reihe abgebrannter Kerzen,
Die letzten rauchen noch,
Kalte Kerzen, geschmolzen und krumm.
Ich will sie nicht sehen; ihr Anblick grämt mich,
Es schmerzt mich, an ihr erstes Licht zu denken.
Ich schaue nach vorn auf meine brennenden Kerzen.
Ich will mich nicht umwenden, um mit Entsetzen zu sehen,
Wie rasch die dunkle Reihe sich verlängert,
Wie rasch die erloschenen Kerzen sich mehren.
Konstantinos Kavafis (1863-1933)
Mittwoch, 18. April 2012
Ein zweites Kind
Ein zweites Kind.
Es hört sich an wie: eine zweite Chance.
Es ist nicht so, dass ich bei meinem kleinen Mann alles falsch gemacht hätte. Ich denke durchaus, dass ich den richtigen Weg mit ihm gehe: attachment parenting, Kontinuum-Konzept, Kloeters-Briefe, Jesper Juuls, Gonzalez.
Aber es gibt diese schlimmen Momente, in denen ein Monster in mir losbricht, in denen ich mich nicht kennen möchte, in denen ich in den Augen meines Sohnes Unsicherheit sehe, sogar Angst, Trauer, Wut und Verzweiflung. Das müssen diese Momente sein, in denen man sich als Kind wünscht, endlich nicht mehr Kind zu sein.
Heute morgen war wieder dieses Monster da. Ich war so wütend, so müde und so enttäuscht über mich selbst.
Und dann frage ich mich, wird er mir das vergessen und verzeihen und wird es das letzte Mal gewesen sein. Kann ich mich so verhalten, dass die Erinnerung meines Sohnes an seine Kindheit eine ungebrochen gute, geliebte und stärkende sein wird?
Ein zweites Kind.
Als ob ich dann alles besser machen könnte.
Als ob das meine Vergehen an meinem Sohn wiedergutmachen könnte.
Zudem:
mein so müder und erkrankter Körper könnte gerade der Belastung einer erneuten Schwangerschaft, Geburt und Kleinkinderjahren nichts entgegensetzen.
Wieso kläre ich das nicht für mich ab? Wieso lasse ich es dennoch darauf ankommen? Es sehnt sich in mir, wieder ein so kleines Wesen in den Armen zu halten. Aber ich liebe meinen Sohn so sehr, und muss noch so viel mit ihm lernen. Sollte ich meine Kraft nicht darauf konzentrieren, um ihm gerecht zu werden? Ich mache so viele Fehler mit ihm. Woher soll ich die Energie schöpfen, wenn da noch ein kleiner Mensch ist, mit genauso grossen Ansprüchen?
Wieso bin ich nur so müde? Ich kann die Schwäche meines Körpers nicht liebend annehmen, ihn nicht liebend heilen lassen. Ich brauche ihn.
Es hört sich an wie: eine zweite Chance.
Es ist nicht so, dass ich bei meinem kleinen Mann alles falsch gemacht hätte. Ich denke durchaus, dass ich den richtigen Weg mit ihm gehe: attachment parenting, Kontinuum-Konzept, Kloeters-Briefe, Jesper Juuls, Gonzalez.
Aber es gibt diese schlimmen Momente, in denen ein Monster in mir losbricht, in denen ich mich nicht kennen möchte, in denen ich in den Augen meines Sohnes Unsicherheit sehe, sogar Angst, Trauer, Wut und Verzweiflung. Das müssen diese Momente sein, in denen man sich als Kind wünscht, endlich nicht mehr Kind zu sein.
Heute morgen war wieder dieses Monster da. Ich war so wütend, so müde und so enttäuscht über mich selbst.
Und dann frage ich mich, wird er mir das vergessen und verzeihen und wird es das letzte Mal gewesen sein. Kann ich mich so verhalten, dass die Erinnerung meines Sohnes an seine Kindheit eine ungebrochen gute, geliebte und stärkende sein wird?
Ein zweites Kind.
Als ob ich dann alles besser machen könnte.
Als ob das meine Vergehen an meinem Sohn wiedergutmachen könnte.
Zudem:
mein so müder und erkrankter Körper könnte gerade der Belastung einer erneuten Schwangerschaft, Geburt und Kleinkinderjahren nichts entgegensetzen.
Wieso kläre ich das nicht für mich ab? Wieso lasse ich es dennoch darauf ankommen? Es sehnt sich in mir, wieder ein so kleines Wesen in den Armen zu halten. Aber ich liebe meinen Sohn so sehr, und muss noch so viel mit ihm lernen. Sollte ich meine Kraft nicht darauf konzentrieren, um ihm gerecht zu werden? Ich mache so viele Fehler mit ihm. Woher soll ich die Energie schöpfen, wenn da noch ein kleiner Mensch ist, mit genauso grossen Ansprüchen?
Wieso bin ich nur so müde? Ich kann die Schwäche meines Körpers nicht liebend annehmen, ihn nicht liebend heilen lassen. Ich brauche ihn.
Freitag, 10. Februar 2012
Nel mezzo del cammin
Nel mezzo del cammin di nostra vita
mi ritrovai per una selva oscura,
ché la diritta via era smarrita.
Auf halbem Weg des Menschenlebens fand
Ich mich in einen finstern Wald verschlagen,
Weil ich vom graden Weg mich abgewandt.
Dante, Divina Commedia (dt. Übersetzung)
Auch ich finde mich in einem finstern Wald verschlagen, plötzlich ist er um mich, ich habe nicht bemerkt, wie ich hierher gekommen bin. Den halben Weg bin ich bereits gegangen und ich wache nachts auf, irr vor Angst zu sterben, spüre meinen Körper schmerzen. Ich stelle mir vor, wie es wäre zu lernen, dass ich nicht mehr lange zu leben hätte, und ich werde wahnsinnig bei der Vorstellung, meine geliebte Familie verlassen zu müssen. Ich habe Angst vor Schmerzen.
Ich habe Angst vor der Erkenntnis, dass ich viele Möglichkeiten ungenutzt gelassen habe, all diese grossen Chancen - und nun stehe ich vor meinem einfachen, mittelmässigen Leben.
mi ritrovai per una selva oscura,
ché la diritta via era smarrita.
Auf halbem Weg des Menschenlebens fand
Ich mich in einen finstern Wald verschlagen,
Weil ich vom graden Weg mich abgewandt.
Dante, Divina Commedia (dt. Übersetzung)
Auch ich finde mich in einem finstern Wald verschlagen, plötzlich ist er um mich, ich habe nicht bemerkt, wie ich hierher gekommen bin. Den halben Weg bin ich bereits gegangen und ich wache nachts auf, irr vor Angst zu sterben, spüre meinen Körper schmerzen. Ich stelle mir vor, wie es wäre zu lernen, dass ich nicht mehr lange zu leben hätte, und ich werde wahnsinnig bei der Vorstellung, meine geliebte Familie verlassen zu müssen. Ich habe Angst vor Schmerzen.
Ich habe Angst vor der Erkenntnis, dass ich viele Möglichkeiten ungenutzt gelassen habe, all diese grossen Chancen - und nun stehe ich vor meinem einfachen, mittelmässigen Leben.
Donnerstag, 9. Februar 2012
Your comfort zone
Ein deutlicheres Bild meines derzeitigen Selbstgefühls gibt es nicht. Ich bewege mich ausschliesslich in meiner Komfortzone. Die Welt, die Menschen ausserhalb machen mir Angst, lassen mich mich minderwertig fühlen. Diese Zone ist klein, schon mein Bruder, meine Eltern, alte Freunde sind kein Teil mehr davon. Ich fühle mich entsetzlich klein und schwach, nicht nur im und am Geist - auch mein Körper fühlt sich alt und schwach an. Woher kam das so plötzlich? Es ist innerhalb des letzten Jahres passiert, irgendwo.
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