"Es wäre gut zu wissen", sagt er, als diskutiere er mit sich selbst, "ob es so etwas wie Freundschaft überhaupt gibt. Ich meine jetzt nicht die Gelegenheitsfreude, mit der sich zwei Menschen begegnen, weil sie in einem Abschnitt ihres Lebens über bestimmte Dinge gleich denken, weil sie einen ähnlichen Geschmack, ähnliche Bedürfnisse haben. All das ist nicht Freundschaft."
Sándor Márai, "Die Glut"
Freitag, 20. April 2012
Mittwoch, 18. April 2012
Dem Wunder die Hand hinhalten
"Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten"
Hilde Domin (1909 - 2006)
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten"
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Sterne - bodennah
"Auch die vielen kleinen Sterne
- bodennah -
tragen Dich durch den Tag"
Christa Spilling-Nöker (* 1950)
(aus: "Es muss nicht immer eine rote Rose sein")
- bodennah -
tragen Dich durch den Tag"
Christa Spilling-Nöker (* 1950)
(aus: "Es muss nicht immer eine rote Rose sein")
Ein zweites Kind
Ein zweites Kind.
Es hört sich an wie: eine zweite Chance.
Es ist nicht so, dass ich bei meinem kleinen Mann alles falsch gemacht hätte. Ich denke durchaus, dass ich den richtigen Weg mit ihm gehe: attachment parenting, Kontinuum-Konzept, Kloeters-Briefe, Jesper Juuls, Gonzalez.
Aber es gibt diese schlimmen Momente, in denen ein Monster in mir losbricht, in denen ich mich nicht kennen möchte, in denen ich in den Augen meines Sohnes Unsicherheit sehe, sogar Angst, Trauer, Wut und Verzweiflung. Das müssen diese Momente sein, in denen man sich als Kind wünscht, endlich nicht mehr Kind zu sein.
Heute morgen war wieder dieses Monster da. Ich war so wütend, so müde und so enttäuscht über mich selbst.
Und dann frage ich mich, wird er mir das vergessen und verzeihen und wird es das letzte Mal gewesen sein. Kann ich mich so verhalten, dass die Erinnerung meines Sohnes an seine Kindheit eine ungebrochen gute, geliebte und stärkende sein wird?
Ein zweites Kind.
Als ob ich dann alles besser machen könnte.
Als ob das meine Vergehen an meinem Sohn wiedergutmachen könnte.
Zudem:
mein so müder und erkrankter Körper könnte gerade der Belastung einer erneuten Schwangerschaft, Geburt und Kleinkinderjahren nichts entgegensetzen.
Wieso kläre ich das nicht für mich ab? Wieso lasse ich es dennoch darauf ankommen? Es sehnt sich in mir, wieder ein so kleines Wesen in den Armen zu halten. Aber ich liebe meinen Sohn so sehr, und muss noch so viel mit ihm lernen. Sollte ich meine Kraft nicht darauf konzentrieren, um ihm gerecht zu werden? Ich mache so viele Fehler mit ihm. Woher soll ich die Energie schöpfen, wenn da noch ein kleiner Mensch ist, mit genauso grossen Ansprüchen?
Wieso bin ich nur so müde? Ich kann die Schwäche meines Körpers nicht liebend annehmen, ihn nicht liebend heilen lassen. Ich brauche ihn.
Es hört sich an wie: eine zweite Chance.
Es ist nicht so, dass ich bei meinem kleinen Mann alles falsch gemacht hätte. Ich denke durchaus, dass ich den richtigen Weg mit ihm gehe: attachment parenting, Kontinuum-Konzept, Kloeters-Briefe, Jesper Juuls, Gonzalez.
Aber es gibt diese schlimmen Momente, in denen ein Monster in mir losbricht, in denen ich mich nicht kennen möchte, in denen ich in den Augen meines Sohnes Unsicherheit sehe, sogar Angst, Trauer, Wut und Verzweiflung. Das müssen diese Momente sein, in denen man sich als Kind wünscht, endlich nicht mehr Kind zu sein.
Heute morgen war wieder dieses Monster da. Ich war so wütend, so müde und so enttäuscht über mich selbst.
Und dann frage ich mich, wird er mir das vergessen und verzeihen und wird es das letzte Mal gewesen sein. Kann ich mich so verhalten, dass die Erinnerung meines Sohnes an seine Kindheit eine ungebrochen gute, geliebte und stärkende sein wird?
Ein zweites Kind.
Als ob ich dann alles besser machen könnte.
Als ob das meine Vergehen an meinem Sohn wiedergutmachen könnte.
Zudem:
mein so müder und erkrankter Körper könnte gerade der Belastung einer erneuten Schwangerschaft, Geburt und Kleinkinderjahren nichts entgegensetzen.
Wieso kläre ich das nicht für mich ab? Wieso lasse ich es dennoch darauf ankommen? Es sehnt sich in mir, wieder ein so kleines Wesen in den Armen zu halten. Aber ich liebe meinen Sohn so sehr, und muss noch so viel mit ihm lernen. Sollte ich meine Kraft nicht darauf konzentrieren, um ihm gerecht zu werden? Ich mache so viele Fehler mit ihm. Woher soll ich die Energie schöpfen, wenn da noch ein kleiner Mensch ist, mit genauso grossen Ansprüchen?
Wieso bin ich nur so müde? Ich kann die Schwäche meines Körpers nicht liebend annehmen, ihn nicht liebend heilen lassen. Ich brauche ihn.
Montag, 16. April 2012
The simple woman's daybook
Would you like to linger on the simple things...then join me and many others in taking a little look into the day plans and thoughts of those who are focusing on simplicity...beauty of the everyday moments.
http://thesimplewomansdaybook.blogspot.com/
FOR TODAY
Outside my window... es wird gerade dunkel, es ist sehr kalt und regnerisch, viel zu kalt für Mitte April. Aber der Himmel ist seltsamerweise nicht grau, es ist eine Spur blau zu sehen, in der lückenlosen Wolkenschicht.
I am thinking... dass mir der Kindergeburtstag heute, auf den wir eingeladen waren, eigentlich zu viel war, obwohl nur Menschen da waren, die mir sehr wichtig sind und die ich sehr mag. Ich kam mir verloren vor, und fragte mich seit langem erstmals wieder, ob ich hier richtig bin. Obwohl ich eigentlich weiss, dass wir nicht gekommen sind um zu bleiben. Und obwohl ich weiss, dass ich hier Menschen getroffen habe, die mir mehr geben, als ich vor unserer Ankunft erhoffen durfte.
I am thankful... für eben diese Menschen, die mich eigentlich so reich machen.
In the kitchen... fast aufgeräumt, und grundsätzlich findet sich in diesen Wochen nur Rohkost und gesunde Nahrung. Wir versuchen beide, ein paar unnötige Kilos zu verlieren, der eine mit grossem, die andere mit wenig Erfolg.
I am wearing... schwarzer Kuschelschlafanzug, brauner Sweater.
I am creating... Ordnung. Am Samstag haben wir endlich, nach unserem Umzug, den Keller organisiert. Ich sage bewusst organisiert, denn aufgeräumt ist er noch nicht. Ordnung, Ordnung, ich kann an nichts anderes denken. Und die Unordnung und das Chaso unserer Wohnung, der Schränke und Kisten überträgt sich auf mich, auf mein Denken, auf mein Fühlen. Ich möchte Ordnung kreieren.
I am going... am liebsten würde ich mir noch etwas Wein einschenken, aber ich bemerke selber, wie mein Konsum etwas überhand nimmt. Nicht dass ich abends betrunken wäre, aber zwei oder drei Gläser Wein am Abend sind derzeit eine Selbstverständlichkeit. Ich weiss also nicht, was ich tun werde. Wasser trinken. Aber die Frage drängt sich auf, warum ich so gerne trinke. Auch hier wünschte ich mir Ordnung. Gerne sähe ich mich auf dem Sofa, in ruhigen Gedanken und einem ruhigen Körper, eine Tasse Tee vor mir, gelassen, ein Buch in der Hand, inspiriert.
I am wondering... Woher kommt dieses Selbstbild, und warum bin ich so weit davon entfernt. Oder bin ich weniger weit davon entfernt, als ich denke?
Ein anderer Gedanke, gestern Abend: ich sehe ein Online-Video einer Bekannten, die sich öffentlich zu einer sehr privaten, intimen, verletzenden Situation äussert. Ich frage mich, wie sie das schafft. Wie kann sie sich darüber hinwegsetzen, dass etliche Leute da draussen sich abwertend über ihre Werte und ihr Glück äussern werden? Das wäre einer meiner ersten Gedanken. Sie steht derart hinter all ihren Worten, ihren Taten und Gedanken, dass sie die Öffentlichkeit nicht scheuen muss. Ich muss mir eingestehen, schon lange - schon immer? seit wann ist immer? - dass ich diese Standfestigkeit nicht habe und lange nicht haben werde.
I am reading... Ich habe gestern fertiggelesen: Anne Helene Bubenzer "Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown"
Ich lese derzeit parallel: immer noch Sandor Marai "Die Glut", ausserdem: Jean Liedloff "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" und Ralph Skuban "Patanjalis Yogasutra: Der Königsweg zu einem weisen Leben"
I am hoping... dass ich mein Selbst finde. Dass meine Knie wieder gesund werden. Dass ich aufhöre, mich ständig von aussen zu betrachten.
I am looking forward to... eine Columbo-Folge zu sehen, neben meinem süssen Kleinen. Morgen wieder mit ihm aufzustehen und eine Freundin zu besuchen.
I am learning... anscheinend lerne ich nicht. Ich drehe mich im Kreis.
Around the house... Ich fürchte mein Hibiskus ist wirklich erfroren, ebenso der Bambus und die Zitruszypresse. Traurig.
I am pondering... Ich versuche so sehr, loszulassen. Was wird mir am Ende bleiben? Ein weiterer Gedanke: all die anderen Frauen auf daybook: wie können sie so froh und glücklich und gelassen wirken? Wünsche ich mir tatsächlich Ausschnitte ihres Lebens? Oder ist es tatsächlich schlicht und einfach der Glaube, der sie erfüllt, zuversichtlich, zufrieden macht?
A favorite quote for today... "Im Zustand des Yoga sind alle Trübungen (Vritti), die im Wandelbaren des Menschen (Chitta) bestehen können, aufgelöst. Dann ruht das wahre Selbst (Drashtu) in der Erkenntnis seiner eigenen Natur. Ansonsten verzerren die Trübungen (Vritti) seine Wahrnehmung. Es gibt fünferlei von diesen Trübungen (Vritti), manche sind leidvoll, andere angenehm. Gegenständliche Wahrnehmung (Pramana), Fantasie (Viparyaya), mentale Konstruktion (Vikalpa), Dösen (Nidra) und Erinnerung (Smriti). " Patanjali: Yogasutra
One of my favorite things... Spüren, wie sich der kleine Körper meines Kindes an mich drängt
A few plans for the rest of the week: Aufräumen, zwei Initiativbewerbungen abschliessen, gesund essen, Yoga und Airex
A peek into my day... oder Nacht:
http://thesimplewomansdaybook.blogspot.com/
FOR TODAY
Outside my window... es wird gerade dunkel, es ist sehr kalt und regnerisch, viel zu kalt für Mitte April. Aber der Himmel ist seltsamerweise nicht grau, es ist eine Spur blau zu sehen, in der lückenlosen Wolkenschicht.
I am thinking... dass mir der Kindergeburtstag heute, auf den wir eingeladen waren, eigentlich zu viel war, obwohl nur Menschen da waren, die mir sehr wichtig sind und die ich sehr mag. Ich kam mir verloren vor, und fragte mich seit langem erstmals wieder, ob ich hier richtig bin. Obwohl ich eigentlich weiss, dass wir nicht gekommen sind um zu bleiben. Und obwohl ich weiss, dass ich hier Menschen getroffen habe, die mir mehr geben, als ich vor unserer Ankunft erhoffen durfte.
I am thankful... für eben diese Menschen, die mich eigentlich so reich machen.
In the kitchen... fast aufgeräumt, und grundsätzlich findet sich in diesen Wochen nur Rohkost und gesunde Nahrung. Wir versuchen beide, ein paar unnötige Kilos zu verlieren, der eine mit grossem, die andere mit wenig Erfolg.
I am wearing... schwarzer Kuschelschlafanzug, brauner Sweater.
I am creating... Ordnung. Am Samstag haben wir endlich, nach unserem Umzug, den Keller organisiert. Ich sage bewusst organisiert, denn aufgeräumt ist er noch nicht. Ordnung, Ordnung, ich kann an nichts anderes denken. Und die Unordnung und das Chaso unserer Wohnung, der Schränke und Kisten überträgt sich auf mich, auf mein Denken, auf mein Fühlen. Ich möchte Ordnung kreieren.
I am going... am liebsten würde ich mir noch etwas Wein einschenken, aber ich bemerke selber, wie mein Konsum etwas überhand nimmt. Nicht dass ich abends betrunken wäre, aber zwei oder drei Gläser Wein am Abend sind derzeit eine Selbstverständlichkeit. Ich weiss also nicht, was ich tun werde. Wasser trinken. Aber die Frage drängt sich auf, warum ich so gerne trinke. Auch hier wünschte ich mir Ordnung. Gerne sähe ich mich auf dem Sofa, in ruhigen Gedanken und einem ruhigen Körper, eine Tasse Tee vor mir, gelassen, ein Buch in der Hand, inspiriert.
I am wondering... Woher kommt dieses Selbstbild, und warum bin ich so weit davon entfernt. Oder bin ich weniger weit davon entfernt, als ich denke?
Ein anderer Gedanke, gestern Abend: ich sehe ein Online-Video einer Bekannten, die sich öffentlich zu einer sehr privaten, intimen, verletzenden Situation äussert. Ich frage mich, wie sie das schafft. Wie kann sie sich darüber hinwegsetzen, dass etliche Leute da draussen sich abwertend über ihre Werte und ihr Glück äussern werden? Das wäre einer meiner ersten Gedanken. Sie steht derart hinter all ihren Worten, ihren Taten und Gedanken, dass sie die Öffentlichkeit nicht scheuen muss. Ich muss mir eingestehen, schon lange - schon immer? seit wann ist immer? - dass ich diese Standfestigkeit nicht habe und lange nicht haben werde.
I am reading... Ich habe gestern fertiggelesen: Anne Helene Bubenzer "Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown"
Ich lese derzeit parallel: immer noch Sandor Marai "Die Glut", ausserdem: Jean Liedloff "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" und Ralph Skuban "Patanjalis Yogasutra: Der Königsweg zu einem weisen Leben"
I am hoping... dass ich mein Selbst finde. Dass meine Knie wieder gesund werden. Dass ich aufhöre, mich ständig von aussen zu betrachten.
I am looking forward to... eine Columbo-Folge zu sehen, neben meinem süssen Kleinen. Morgen wieder mit ihm aufzustehen und eine Freundin zu besuchen.
I am learning... anscheinend lerne ich nicht. Ich drehe mich im Kreis.
Around the house... Ich fürchte mein Hibiskus ist wirklich erfroren, ebenso der Bambus und die Zitruszypresse. Traurig.
I am pondering... Ich versuche so sehr, loszulassen. Was wird mir am Ende bleiben? Ein weiterer Gedanke: all die anderen Frauen auf daybook: wie können sie so froh und glücklich und gelassen wirken? Wünsche ich mir tatsächlich Ausschnitte ihres Lebens? Oder ist es tatsächlich schlicht und einfach der Glaube, der sie erfüllt, zuversichtlich, zufrieden macht?
A favorite quote for today... "Im Zustand des Yoga sind alle Trübungen (Vritti), die im Wandelbaren des Menschen (Chitta) bestehen können, aufgelöst. Dann ruht das wahre Selbst (Drashtu) in der Erkenntnis seiner eigenen Natur. Ansonsten verzerren die Trübungen (Vritti) seine Wahrnehmung. Es gibt fünferlei von diesen Trübungen (Vritti), manche sind leidvoll, andere angenehm. Gegenständliche Wahrnehmung (Pramana), Fantasie (Viparyaya), mentale Konstruktion (Vikalpa), Dösen (Nidra) und Erinnerung (Smriti). " Patanjali: Yogasutra
One of my favorite things... Spüren, wie sich der kleine Körper meines Kindes an mich drängt
A few plans for the rest of the week: Aufräumen, zwei Initiativbewerbungen abschliessen, gesund essen, Yoga und Airex
A peek into my day... oder Nacht:
Sonntag, 15. April 2012
View-Master
Unser Kleiner verbrachte heute Nachmittag zwei Stunden bei unserer Freundin. Als ich ihn abholte, hielt er ein rot-weisses Teil vor seine Augen, und schon von der Wohnungstür aus konnte ich erkennen, was er da in seinen Händen hielt.
Nicht, dass ich es hätte benennen können. Das kann ich erst seit ein paar Stunden -
Unser Kleiner hielt einen View-Master vor seine Augen, ein kleines mechanisches Gerät, das es ermöglicht, Stereobilder zu betrachten. Ich hatte als kleines Kind auch einen solchen View-Master, und ich habe es immer noch hier bei mir.
Ich erinnere mich an meine Faszination beim Betrachten der Stereobilder. Wir hatten genau drei Scheiben, drei Folgen einer Petzi-Geschichte, die auch als Buch in meinem Regal stand. Es begeisterte mich die Verkürzung der eigentlich recht langen Geschichte, die rätselhafte Tiefe der Bilder, die gleichzeitig unerklärlich und doch selbstverständlich vor meinen Augen entstand. Ich erinnere mich auch, wie irritierend ich es fand, das man durch das Gerät nicht eigentlich hindurchsehen konnte, denn ohne Bildscheibe sah das Auge nur milchigweisses Licht.
Ich weiss, dass ich es nicht müde wurde, die drei Scheiben wieder und wieder anzusehen. Eigentlich bin ich heute verwundert, dass ich mir nicht mehr Scheiben-Geschichten gewünscht habe. Aber das passt nun auch wieder zum Kind-Sein. Es ist irgendwie wie es ist, und es ist gut so.
Als mein Sohn und ich nach Hause zurückkehrten, kramte ich ihm umgehend meinen View-Master hervor. So ist er nun in seinen kleinen Händen und ich wünsche mir für ihn die gleiche tiefe Faszination und Hingabe.
Nicht, dass ich es hätte benennen können. Das kann ich erst seit ein paar Stunden -
Unser Kleiner hielt einen View-Master vor seine Augen, ein kleines mechanisches Gerät, das es ermöglicht, Stereobilder zu betrachten. Ich hatte als kleines Kind auch einen solchen View-Master, und ich habe es immer noch hier bei mir.
Ich erinnere mich an meine Faszination beim Betrachten der Stereobilder. Wir hatten genau drei Scheiben, drei Folgen einer Petzi-Geschichte, die auch als Buch in meinem Regal stand. Es begeisterte mich die Verkürzung der eigentlich recht langen Geschichte, die rätselhafte Tiefe der Bilder, die gleichzeitig unerklärlich und doch selbstverständlich vor meinen Augen entstand. Ich erinnere mich auch, wie irritierend ich es fand, das man durch das Gerät nicht eigentlich hindurchsehen konnte, denn ohne Bildscheibe sah das Auge nur milchigweisses Licht.
Ich weiss, dass ich es nicht müde wurde, die drei Scheiben wieder und wieder anzusehen. Eigentlich bin ich heute verwundert, dass ich mir nicht mehr Scheiben-Geschichten gewünscht habe. Aber das passt nun auch wieder zum Kind-Sein. Es ist irgendwie wie es ist, und es ist gut so.
Als mein Sohn und ich nach Hause zurückkehrten, kramte ich ihm umgehend meinen View-Master hervor. So ist er nun in seinen kleinen Händen und ich wünsche mir für ihn die gleiche tiefe Faszination und Hingabe.
Samstag, 14. April 2012
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